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Unser Redebeitrag vom 24. Mai 2024 an der Kundgebung des Campus-Bündnis gegen Antisemitismus FfM


[Hinweis: die Rede wurde verlesen, da wir nicht unsere Sicherheit als gegeben gesehen haben]


In diesem Augenblick passiert eine Ekstase sämtlicher Ereignisse, über die jüdische Studierende in den letzten Wochen und Monate seit dem 7. Oktober 2023 berichtet haben.


- „Free Palestine from German guilt“

- „Von Wasser zu Wasser, Palästina ist arabisch“

- „Palästina frei frei, oh Zionisten verschwindet“


Das sind Parolen, die aktuell an deutschen Universität, inklusive der Goethe Universität Frankfurt am Main, erklingen.


Der nackte völkische Nationalismus und israelbezogenen Antisemitismus, der Ruf zur Zerstörung Israels, nach Vertreibung von „Zionisten“, damit sind die 7 Million israelische Jüd:innen gemeint, zeigen sich ohne jegliche Scheu.


„Zionisten“ seien „Dreck“, das man vertreiben müsse.


Die Erinnerung an den Holocaust und die „deutsche Schuld“, ein Begriff, der eher in rechtsextremen Strömungen bekannt ist, stünden hier im Weg.


Am aller wenigsten seien „die Zionisten“ willkommen am Protestcamp, das aber für sich selbst einen „wahren“ basisdemokratischen Anspruch erhebt.


Plötzlich finden sich unbeteiligte nicht-jüdische Studierende dort wieder, wo ein jedes jüdische Kind, in Deutschland sich wiederfindet, wenn es die jüdischen Schule oder die Synagoge mit seinen Eltern betritt:

Umgeben von Polizisten und Sicherheitspersonal. Und ein großes Fragezeichen schwebt in der Luft:


Wie konnte es soweit kommen?


Sind wir als Gesellschaft, gerade an den Orten, die für freies Denken stehen, so machtlos, Hass und Hetze zu trotzen ? Ihnen klare Grenzen zu zeigen?


Antisemiten nutzen „Dogwhisteling“, die indirekte Sprache, um ihre menschenverachtende Ideologie zu verschleiern, während sie gleichzeitig ihre Adressaten mobilisieren können.


Sie nutzen bestehende demokratische Strukturen, um sich salonfähig zu machen.


Sie nutzen den furchtbaren Krieg mit vielen zivilen Opfern im Gaza-Streifen und weiterhin festgehaltene israelische Geiseln, um für ihre menschenverachtende Ideologien zu werben.


Menschenverachtende Ideologien mit direkten Folgen für Jüd:innen.


Wir sollen weiter klein und unsichtbar gemacht werden. Wir, mit unserer nervigen Kritik, mit unserer komplexen, nicht in einer binären Weltsicht zusammenfassbaren Identität und Geschichte. Wir sollten weiter aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt werden.

Wenn’s sein muss, mit Gewalt. Zumeist verbaler, aber immer mehr auch physischer Natur.


Die Räume nehmen sich die selbst erklärten Gegner des Zionismus, nicht etwa mit dem primären Ziel für die eigene Sache zu werben, sondern um gegen das vermeintlich ultimative Böse einzutreten und es aus unserer Welt zu tilgen:

Der Erlösungsantisemitismus lässt grüßen.


Mit einem vermeintlich demokratischen Anstrich wird aber hinter der Fassade sehr schnell klar, dass Grundbegriffe und -Konzepte, die zumeist unbegründet sind, unbegründet bleiben sollen.


Zionismus sei Faschismus. Kolonialismus. Rassismus. Schlichtweg böse. Punkt. Keine Widerrede. Wer widerspricht, wird zum Deserteur und Kollaborateur deklariert. In unseren Räumen, so die antizionstische Logik weiter, in unserer „Peoples University“, in unserer Welt haben solche Andersdenkende keinen Platz.


An dieser Diskurs(un)ethik beteiligen sich nicht nur Studierende. Auch einige Dozierende und gar Professoren reproduzieren diesen autoritären Ansatz. Dabei sehen sie auch nicht davon ab, jüdische Studierende einzuschüchtern.


Den Rest übernehmen noch Radikalere, die mit umgedrehten roten Dreiecken (einem Symbol aus Hamas-Propagandavideos zur Markierung israelischer Soldaten) und hetzerischen Symbolen Jüd:innen direkt androhen. Sie sind Teil einer größeren Ideologie, der Einhalt geboten werden muss.


Denn die Geschichte des Ausschlusses aus der Akademie ist für Jüd:innen in Deutschland nicht neu: Viele von uns haben Vorfahren, die in der Sowjet-Union Diskriminierung erlebt haben und so in schlimmen Extremfällen erst gar nicht zur Universität zugelassen wurden.


Grundlage hierzu war ein gesellschaftlicher Konsens des Antisemitismus, der zurzeit in Deutschland nicht gegeben ist. Im Gegenteil. Und das ist gut so. Und das muss so bleiben. Denn es ist ein Produkt eines unermüdlichen Einsatzes der Errichterung unserer Erinnerungskulturs und unserer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung des „Nie Wieders“.


Universitäre Räume müssen lernen, menschenverachtende Akteure und ihre Agenda rechtzeitig zu erkennen. Das Grundrecht auf Berufsfreiheit von Jüd:innen muss jetzt geschützt werden. Die Hochschulleitung muss sich bedingungslos für diese Grundrechte einsetzen und öffentlich positionieren


Danke an das gesamte Campus-Bündnis gegen Antisemitismus FfM für die Organisation.


An Tagen wie diesen schätzen wir besonders den Mut, den Einsatz und die Zivilcourage anderer.




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